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Erfolgsgeschichte Sandra„Eines der schönsten Dinge im Leben ist es für mich, etwas dazuzulernen.“

Foto: Tim-Thilo Fellmer

Sandra

Lerner-Expertin

„Wenn Ungerechtigkeit am Start ist, dann ist Wegschauen für mich keine Option.“

  • engagiert sich politisch
  • ist herzlich und hilfsbereit
  • Zivilcourage ist ihr sehr wichtig
  • Motto: Manchmal brauchen Menschen einfach nur eine Chance.

Hey du, ja du,

hör mir mal zu. Ich will dir etwas über mich erzählen. Das habe ich noch nie gemacht – vielleicht bringt es dir ja was, ich weiß es nicht.

Also, hinsetzen und einfach mal zuhören!

Ich heiße Sandra und bin zwischen 30 und 50 Jahre alt 😊. Brasilien ist das Land, in dem ich geboren wurde. Als kleiner Knirps bin ich im Alter von sechs Jahren nach Deutschland gekommen – durch eine Adoption.

Wenn es Kindern schlecht geht, können sie sich oft nicht gut konzentrieren und vieles fällt ihnen schwer.“

Sandra

Als Kind ging es mir nicht gut. Die Frau, die mich adoptiert hat, war nicht liebevoll – im Gegenteil, sie war sehr grausam zu uns Kindern. Vielleicht klingt das hart, aber so habe ich es erlebt.

Es ist eine dramatische und zugleich auch alltägliche Geschichte. Heute bin ich erwachsen und habe ein Trauma fürs Leben.

Warum ich das erzähle?
Weil es eine große Rolle dafür spielt, warum ich so bin, wie ich bin. Wenn es Kindern schlecht geht, können sie sich oft nicht gut konzentrieren und vieles fällt ihnen schwer.

Meine Schulzeit war eigentlich sehr okay. Ich war ein Liebling meiner Lehrer und beliebt bei meinen Mitschüler:innen. Quasi die, die immer lacht, immer höflich und selten Beef. Und wenn doch, dann meistens, wenn es um Freunde ging, die gemobbt wurden. Ich konnte das damals schon nicht leiden – und das ist bis heute so geblieben.

Foto: Tim-Thilo Fellmer
Foto: Tim-Thilo Fellmer

Wo Ungerechtigkeit herrscht und es in meiner Macht liegt, einzugreifen, etwas zu sagen oder einer Person Beistand zu leisten, dann mache ich das. Ich bin da voll der Zivilcourage-Mensch. Manchmal ist das vielleicht ein bisschen gefährlich, aber ey – das Leben ist zu kurz, um seine Schnauze zu halten. Wenn Ungerechtigkeit am Start ist, dann ist Wegschauen für mich keine Option.

So, kurze Rede, langer Sinn. Und checkt ihr – zurück zu dem, was ich euch eigentlich erzählen wollte.

Eines Tages fragte mich eine Person, die ich liebe und ehre, ob ich mitkommen möchte, sich bei einer Stelle etwas bestätigen zu lassen. Ich so: „Ja, na klar.“ Es ging um eine Bestätigung für Legasthenie. Nach dem Erhalt der Bescheinigung sind wir auf den Verein Lesen und Schreiben e.V. gestoßen und hatten dort ein Erstgespräch. 

Als wir dort ankamen, wurden wir herzlich von Urda empfangen. Nach kurzem Warten hat uns Sabina ins Büro zum Erstgespräch gebeten. Junge, Junge – ihre Aura ist bei Gott nicht menschlich. Voller Energie, Nettigkeit, charmant und so.

Nach diesem Gespräch war ich mir sicher, dass ich am Projekt teilnehmen möchte. Alles hat für mich gepasst wie die Faust aufs Auge. Eines der schönsten Dinge im Leben ist es für mich, etwas dazuzulernen, aber nicht auf Streberweise, sondern weil ich wirklich etwas verstehen möchte und lernen will, was mich interessiert und was ich persönlich wichtig finde.

„Eines der schönsten Dinge im Leben ist es für mich, etwas dazuzulernen, aber nicht auf Streberweise, sondern weil ich wirklich etwas verstehen möchte und lernen will, was mich interessiert und was ich persönlich wichtig finde.“

Sandra

Wie zum Beispiel Rechtschreibung, lautes Lesen und Mathematik zumindest in den Grundlagen besser zu verstehen und sicherer zu werden. Genau diese Dinge sind mir in der Schulzeit schwergefallen. Aber weil ich in anderen Bereichen gut war, habe ich trotzdem zehn Schuljahre geschafft – mit Abschluss.

Frank ist mein Mathelehrer, bei dem ich mehr oder weniger kapiere, was er erklärt. Und wenn ich es hundertmal nicht verstanden habe, dann erklärt er es mir eben zum 101. Mal – und zwar immer verständlich. Ich habe irgendwann mal im Unterricht gesagt: „Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass mir Mathematik Spaß macht.“ Das hätte ich selbst nie gedacht, dass ich das überhaupt mal sagen würde.

Foto: Tim-Thilo Fellmer

Schon krass geil, dass es einen Verein gibt, der Erwachsenen Menschen die Chance gibt sich zu bilden egal welchen Lernstand sie haben. Ich möchte mich zu 1000 Prozent vom ganzen Herzen bei meinen Dozenten und Dozentinnen bedanken, die mir sehr wissenswerte Dinge beigebracht haben: Sabina, Elisa, Ulrike, Frank, Maike, Pauli, Eddy, Marcel und Urda.

Denn manchmal brauchen Menschen nicht noch mehr Druck oder Bewertungen.

Manchmal brauchen sie einfach nur eine Chance.

Manche Menschen können nicht gut lesen und schreiben.

Ein Grund dafür kann sein, dass sie es von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben.
Das nennt man genetische Veranlagung.

„e.V.“ ist die Abkürzung für „eingetragener Verein“ und bezieht sich auf eine bestimmte Rechtsform für Vereine in Deutschland. Ein eingetragener Verein ist eine Organisation, die sich aus einer Gruppe von Menschen zusammensetzt, die gemeinsame Interessen oder Ziele haben.

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