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Zwischen Chancen und Ungleichheit – Digitalisierung in der Grundbildung

Auch in der Grundbildung sind die Digitalisierung, deren Chancen und Herausforderungen mehr denn je ein brandheißes Thema. Unsere Kinder machen ihre Schulhausaufgaben jetzt online, wir arbeiten aus dem Homeoffice. Wir können Webinare zum Thema „Webinare gestalten“ nicht mehr belegen, denn der Bedarf ist zu hoch, die Webinare sind voll. Was bedeutet das aber nicht nur für unseren direkten Arbeitsalltag, sondern für eines unser grundlegenden Arbeitsziele: Chancengleichheit?

Besseres Erreichen von Multiplikator*innen und Betroffenen

Es ist für unsere Arbeit eine Voraussetzung Multiplikator*innen zu gewinnen. Hier bieten digitale Medien viele Chancen: Z.B. können wir Ärzte ansprechen und sensibilisieren, die ansonsten keine Zeit hätten an Schulungen oder Fachgesprächen teilzunehmen. Krankenkassen, Behörden oder Wohnungsbaugenossenschaften können Wissen direkt nutzen und an ihre Kund*innen weitergeben. Auch Betroffene könnten durch eine gezielte Nutzung digitaler Medien direkter angesprochen werden. Wobei man nicht vergessen darf, dass die Nutzung digitaler Medien auch Risiken birgt, z.B. was den Datenschutz Betroffener angeht. Das muss man im Blick behalten. Nichtsdestotrotz gibt es auch Chancen: Wir wissen aus der LEO Studie 2018, dass Betroffene zwar eher selten einen Computer mit Internetzugang nutzen, um beispielsweise E-Mails zu schreiben. Bei Smartphone und Tablets allerding sieht das schon ganz anders aus. So versenden Menschen mit geringer Literalität genauso viele WhatsApp und SMS wie alle anderen. Sprachnachrichten oder Videotelefonie werden hierbei überdurchschnittlich häufig verwendet. Ebenfalls nützlich sind soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram, die von Betroffenen auch sehr häufig genutzt werden. Erwähnenswert ist außerdem, dass Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten fast genauso häufig nach Informationen zu verschiedenen Themenbereichen suchen (Gesundheit, Hobbies, Erziehung, Computer) wie Menschen mit hohem Bildungsniveau. Diese Wege als Sprachrohr zu nutzen, scheint auf der Hand zu liegen.

Manche sind abgeschotteter als andere

Was bedeutet die rasante Zunahme der Digitalisierung für Menschen, die keinen Internetzugang, keinen Computer oder modernes Smartphone haben? Im Grund-Bildungs-Zentrum stellen wir uns gerade die Frage: Sensibilisierungs-Schulungen online, ohne dass ein/e Lerner-Expert*in live dabei ist? Geht das? Das bedeutet eventuell auch Einbußen der Qualität. Hinzu kommt, dass sich fast alle Menschen in dieser Zeit von der Welt abgeschottet fühlen. Wenn für Anbieter*innen niedrigschwelliger Angebote als Bezugspersonen und Ratgeber*innen nun die persönliche Ebene nicht mehr im Vordergrund steht, verlieren wir eventuell auch Teilnehmende. Denn für viele Menschen ist die Nutzung von Grundbildungsangeboten nicht zuletzt auch ein Mittel gegen die Einsamkeit. Wir müssen uns also fragen: Wie können wir mithilfe oder auch trotz der notwendigerweise vermehrten Digitalisierung für unsere Teilenehmenden, Freiwilligen und Ratsuchenden da sein? Welcher Kanal ist hierfür der richtige, damit auch in den kommenden Wochen Treffen mit mehr als zwei Personen stattfinden können?

Ausgewählte Online-tools zur Zusammenarbeit

EduPad
EduPad ist ein Online-Texteditor für die gemeinsame Arbeit an einem Text. Um EduPad zu nutzen, öffnet man seinen Browser – das sollte am besten Mozilla Firefox oder Google Chrome sein – und gibt die URL https://edupad.ch ein. Dann klicke ich auf „Kostenloses Pad erstellen“ und schon öffnet sich mein Pad. Man kann jetzt gleich mal diesen Willkommenstext herauslöschen. Rechts oben sieht man, wer an diesem Pad arbeitet. Hier könnte man auch die Farbe bearbeiten und sich eine andere Farbe aussuchen, mit der dann der Text markiert wird.
Insgesamt können bis zu 15 Personen synchron an diesem Textdokument arbeiten und in Echtzeit sehen, was die anderen gerade machen. Natürlich kann man auch zu unterschiedlichen Zeiten, also asynchron, am Text arbeiten.
Man kann das Tool hier nutzen: http://vhspad.de/

Virtuelles Klassenzimmer
Der Begriff Virtuelles Klassenzimmer bezeichnet ein Tool für synchronen Unterricht im virtuellen Raum. Dies bedeutet, dass alle durch das Internet verbundenen Kursteilnehmer*innen zur selben Zeit vor dem Computer sitzen und zusammen lernen. Grundlage ist ein virtueller Raum, in dem alle Teilnehmer*innen das Gleiche hören, sehen und erleben, genau wie in einem realen Raum. Mit der Software können im Allgemeinen Meetings sowie Schulungen umgesetzt werden.
Anwendungen, mit denen ein Virtuelles Klassenzimmer zu realisieren ist, sind beispielsweise Adobe Connect (nicht kostenfrei)
https://www.adobe.com/de/products/adobeconnect.html
und GoToMeeting (kostenfreie und kostenpflichtige Version) https://www.gotomeeting.com/de-de
oder Vitero
https://www.vitero.de/de/.
Vitero kann für die Durchführung von Webkonferenzen bzw. Online-Meetings, vor allem in kleinen und mittelgroßen Gruppen genutzt werden.(nicht kostenfrei).
Weitere ausführliche Informationen und Links unter e-teaching.org (nicht-kommerzielles Informationsportal). Siehe auch: https://www.e-teaching.org/technik/produkte/viterosteckbrief

Wiki
Ein Wiki ist ein Tool zur Erstellung und Verwaltung von Texten mit dessen Hilfe Wissensmanagement möglich ist. Wikis dienen dem gemeinsamen und gleichzeitigen Arbeiten in Teams.
Wikis können beispielsweise als Projekt-, Abteilungs-, Organisations-, Informations- und Multimediawiki genutzt werden. Ferner können Wikis auch als gemeinsame Arbeitsplattform (z. B. Textentwicklung, Aufgabenmanagement, Erfahrungsaustausch etc.), als Dokumentenablage, Datenbank sowie als Intranet Einsatz finden.
Beispiel: https://www.dokuwiki.org/dokuwiki

Zusammentreffen im Netz – Tipps für Netzwerkarbeit und mehr

Insbesondere diese Tools können auch die nun erschwerte Netzwerkarbeit, andere online Treffen von zwei oder mehreren Personen oder einfach nur die Zusammenarbeit unterstützen.

Trello
Trello ist ein Web-Programm, das nach einem Karteikartensystem funktioniert, in dem einzelne Aufgaben angelegt und nacheinander abgearbeitet werden können (dazu später mehr). Der Dienst ist grundsätzlich gratis, es gibt aber auch die kostenpflichtigen Angebote „Trello Gold” und „Trello Business Class”, die erweiterte Funktionen bieten.
https://trello.com/de

Asana
Asana ist eine web-basierte Software, die nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert wie Trello und sich vor allem durch die Integration von anderen Diensten wie Dropbox auszeichnet. Der Arbeitsplatz ist bei Asana nach einzelnen Projekten aufgeteilt, in denen jeweils Aufgaben angelegt werden können. Jedes Teammitglied kann dann, wie bei Trello auch, die Aufgaben kommentieren oder Links und Notizen hinzufügen. Bei einem Team von bis zu 15 Personen ist Asana gratis. Für Zusatzfunktionen oder größere Teams stehen kostenpflichtige Versionen zur Verfügung.
https://asana.com/de

Wunderlist
Wunderlist ist ein kostenloses Programm. Hier werden offene Aufgaben einer Liste der Reihenfolge nach abgearbeitet und die Ergebnisse auf allen Geräten synchronisiert, mit denen das Wunderlist-Konto verbunden ist (beispielsweise mit Tablet oder Smartphone). Wunderlist funktioniert so in erster Linie als persönlicher Planer, es können aber auch hier Teammitglieder eingeladen werden. Die kostenpflichtige Version bietet zahlreiche Zusatzfunktionen, die sich vor allem für das Arbeiten im Team rentieren.
Link: https://www.wunderlist.com/ (wird am 6. Mai eingestellt, dann Wechsel zu Microsoft ToDo möglich)

MindMeister – digitale Mindmaps erstellen
Ein Thema und viele Gedanken, die sich darum sammeln – das sind die Grundelemente von Mindmaps. MindMeister ist ein Online-Mindmapping-Tool, mit dem Ideen visualisiert und ausgearbeitet und mit anderen geteilt werden können. Ein Beispiel ist mindmeister:
https://www.mindmeister.com
Mindmaps können auch künstlerisch gestaltet werden. (Beispiel: mindmapart.com, fällt nicht unter freie Lizenz)

Video-Konferenzen
Durch Konferenztools können webbasierte virtuelle, also ortsunabhängige, Konferenzen abgehalten werden. Je nach Toolsoftware sind Dienste wie z.B. das Teilen und gemeinsame Bearbeiten der zu besprechenden Präsentation, ein Chatforum oder auch eine Umfragefunktion inklusive. Konferenzmitglieder sind durch die Ortsunabhängigkeit flexibel und sparen Reisekosten sowie Zeit. Konferenzanwendungen sind zum Beispiel Zoom.

Zoom
Basisversion von „Zoom Cloud Meetings“ ist für bis zu 2 Personen kostenlos, egal wie lange man es nutzt. Ab 3 Personen und Gruppenkonferenzen ist es für 40 Minuten kostenlos. Man kann aber nach den 40 Minuten einfach ein neues Meeting starten.
https://www.zoom.us/
Eine detaillierte Anleitung findet man hier in diesem Blog von Katrin Hill.
Ein Video-Tutorial von Sebastian Schmidt gibt es hier.

Jitsi
Dieses Videokonferenztool ist einfach, da keine Anmeldung, keine Installation nötig ist. Es ist kostenfrei. (Allerdings nur in engl. Sprache)
https://jitsi.org/
Video Tutorial von Tim Kantereit unter: https://www.youtube.com/watch?v=5zjC53emjlU&feature=youtu.be

Skype
Skype ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst von Microsoft. Unterstützt werden Videokonferenzen bzw. Bildtelefonie, IP-Telefonie, Instant-Messaging, Dateiübertragung und Screen-Sharing.
https://www.skype.com/de/

Rein ins Digitale – der neue Lernort Webinar und MOOC

Moodle
Moodle ist ein freies objektorientiertes Kursmanagementsystem und eine Lernplattform. Die Software bietet die Möglichkeiten zur Unterstützung kooperativer Lehr- und Lernmethoden.
https://moodle.org/

Webinar
Der Begriff Webinar setzt sich zusammen aus Web und Seminar. Ein Webinar ist ein Seminar im Internet. Ein Seminar ist eine Veranstaltung, bei der Teilnehmer etwas zu einem Thema lernen und sich weiterbilden können. Eine Lehrperson hält einen Vortrag zu einem Thema und die Teilnehmer hören ihm zu.
Beispiele für Webinar-Angebote: https://digitale-helden.de/angebote/webinare/
Kostenfreie Webinare vom Haus des Stiftens gGmbH:
https://www.hausdesstiftens.org/non-profits/webinare/

MOOC
Die Abkürzung MOOC steht für Massive Open Online Course. Dabei handelt es sich um einen Online-Kurs, der an festgelegten Terminen über mehrere Wochen stattfindet. Die Teilnahme ist in der Regel kostenlos.
Link zu einem Erklärvideo: https://www.youtube.com/watch?v=HsOJc86Y8Lk
(Bundeszentrale für politische Bildung)
Link zum Weiterlesen:
https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/mooc/
https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/

Zuletzt noch ein Link zu einem Internet-Glossar in einfacher Sprache:
https://blog.zeta-producer.com/internet-glossar-einfache-sprache/

Womit haben Sie gute Erfahrungen gesammelt? Wenn Sie diese Erfahrungen austauschen wollen, dann schreiben Sie uns!

Viel Spaß

Anmerkung:
Wir haben diese digitalen Tools zusammengestellt mit dem Wissen, dass diese nicht perfekt sind und dass es hier und da möglich ist, dass Sicherheitslücken auftreten können. Deshalb ist es wichtig, dass sich jede und jeder kritisch mit dem Angebot von digitalen Tools auseinandersetzt und dann selbst entscheidet, welches Tool passend für den eigenen Bedarf ist.

Quellen:
EBmooc plus 2020: Die digitale Praxis für ErwachsenenbildnerInnen:
https://imoox.at/mooc/local/courseintro/views/startpage.php?id=77
Tool-Liste

Auswahlkriterien für digitale Trainingstools:
https://www.wb-web.de/material/medien/digitale-trainingstools.html

Die zitierten Links in diesem Dokument waren, am 1.4.2020 abrufbar.